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Nachhaltigkeit / ESG

Doppelte Wesentlichkeit (Double Materiality)

Die Analyse sowohl der Auswirkungen von Nachhaltigkeitsthemen auf das Unternehmen als auch der Unternehmensauswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft.

Die Doppelte Wesentlichkeit ist ein Kernkonzept der CSRD und ESRS 1. Sie erweitert den klassischen Wesentlichkeitsbegriff aus der Finanzberichterstattung um eine zweite Dimension: Unternehmen müssen nicht nur analysieren, wie Nachhaltigkeitsthemen ihre finanzielle Lage beeinflussen (finanzielle Wesentlichkeit), sondern auch, welche Auswirkungen ihre eigene Tätigkeit auf Umwelt und Gesellschaft hat (Auswirkungswesentlichkeit).

Ein Thema ist wesentlich im Sinne der ESRS, wenn es entweder finanziell oder auswirkungsbezogen wesentlich ist – es genügt also eine der beiden Perspektiven. Die Wesentlichkeitsanalyse muss systematisch und nachvollziehbar durchgeführt werden: Unternehmen bewerten potenzielle und tatsächliche Auswirkungen, Risiken und Chancen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg und beziehen dabei Stakeholder-Perspektiven ein.

Für Compliance-Beauftragte ist die Doppelte Wesentlichkeitsanalyse methodisch anspruchsvoll und ressourcenintensiv. Sie bildet jedoch die Grundlage dafür, welche ESRS-Datenpunkte tatsächlich berichtet werden müssen. Eine gut dokumentierte Wesentlichkeitsanalyse schützt das Unternehmen im Prüfungsprozess und erhöht die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichterstattung gegenüber Investoren und Aufsichtsbehörden.

Rechtliche Grundlage

ESRS 1, Kapitel 3

Praxisbeispiel

Ein Chemieunternehmen führt seine erste Doppelte Wesentlichkeitsanalyse durch. Der Compliance-Beauftragte identifiziert in Workshops mit Management und Fachabteilungen zunächst alle potenziell relevanten Nachhaltigkeitsthemen. Für jedes Thema wird bewertet, ob es das Unternehmen finanziell betrifft (z. B. CO₂-Preisrisiken) und ob das Unternehmen negative Auswirkungen verursacht (z. B. Wasserverschmutzung). Die Ergebnisse werden in einer Wesentlichkeitsmatrix dokumentiert und bilden die Grundlage für den CSRD-Bericht.

Häufige Fragen

Finanzielle Wesentlichkeit (Outside-In) fragt: Wie beeinflusst ein Nachhaltigkeitsthema die finanzielle Lage des Unternehmens? Auswirkungswesentlichkeit (Inside-Out) fragt: Welche positiven oder negativen Auswirkungen hat das Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft? Die CSRD verlangt beide Perspektiven.
Ja. Themen, die als wesentlich eingestuft wurden, müssen vollständig gemäß den zugehörigen ESRS berichtet werden. Für nicht-wesentliche Themen genügt eine kurze Erklärung, warum das Thema als nicht wesentlich eingestuft wurde.
Die ESRS sehen vor, dass die Wesentlichkeitsanalyse regelmäßig – mindestens jährlich – überprüft wird, um veränderten Geschäftsbedingungen, neuen Risiken oder Stakeholder-Erwartungen Rechnung zu tragen.

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