PCAF
PCAF (Partnership for Carbon Accounting Financials) ist ein global anerkannter Standard, mit dem Banken, Versicherer und Investoren die Treibhausgasemissionen ihrer Kredit- und Anlageportfolios – die sogenannten finanzierten Emissionen – einheitlich bilanzieren.
Die Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF) ist eine von Finanzinstituten getragene Brancheninitiative, die einen offenen, weltweit harmonisierten Standard für die Messung und Offenlegung der mit Finanzdienstleistungen verbundenen Treibhausgasemissionen entwickelt hat. Im Zentrum steht das Konzept der finanzierten Emissionen: Sie erfassen den Anteil der Emissionen eines Kreditnehmers oder Beteiligungsunternehmens, der dem finanzierenden bzw. investierenden Institut zugerechnet wird. Damit übersetzt PCAF die Logik des Greenhouse Gas Protocol – insbesondere die Scope-3-Kategorie 15 „Investments" – in eine praktikable Methodik für den Finanzsektor.
Methodisch weist PCAF jeder finanzierten Position einen Zurechnungsfaktor (Attribution Factor) zu, der das ausstehende Finanzierungsvolumen ins Verhältnis zum Unternehmenswert oder zur Bilanzsumme des finanzierten Unternehmens setzt; multipliziert mit dessen Emissionen ergeben sich die zuzurechnenden finanzierten Emissionen. Der Standard deckt mehrere Anlageklassen ab – darunter Unternehmenskredite und nicht börsennotierte Beteiligungen, börsennotierte Aktien und Anleihen, Projektfinanzierungen, gewerbliche Immobilien, Hypotheken sowie Kraftfahrzeugkredite – und definiert für jede eine spezifische Zurechnungsformel. Zentrales Qualitätsmerkmal ist der PCAF-Datenqualitäts-Score (Score 1 bis 5), der transparent macht, ob die Berechnung auf verifizierten Ist-Emissionen oder auf gröberen Schätzungen mittels Umsatz- oder Aktivitätsdaten beruht.
Für deutsche und europäische Finanzinstitute gewinnt PCAF erhebliche regulatorische Relevanz, weil finanzierte Emissionen den weitaus größten Teil ihres CO2-Fußabdrucks ausmachen und unter der CSRD bzw. dem Standard ESRS E1 sowie im Rahmen der EU-Taxonomie und der SFDR offengelegt werden müssen. PCAF liefert die methodische Grundlage, um Scope-3-Emissionen des Portfolios konsistent zu quantifizieren, science-based Klimaziele zu setzen und einen glaubwürdigen Transitionsplan zu untermauern. Die Berechnung ist datenintensiv und prüfungsrelevant: Institute müssen Annahmen, Datenquellen und Qualitäts-Scores dokumentieren, um die externe Prüfung des Nachhaltigkeitsberichts (Limited bzw. künftig Reasonable Assurance) zu bestehen.
Rechtliche Grundlage
PCAF Global GHG Accounting and Reporting Standard for the Financial Industry (Part A); GHG Protocol (Scope 3, Kategorie 15 „Investments"); CSRD (Richtlinie (EU) 2022/2464) i. V. m. ESRS E1 Klimawandel; SFDR (Verordnung (EU) 2019/2088)
Praxisbeispiel
Die Nachhaltigkeitsbeauftragte einer mittelgroßen Regionalbank steht vor der ersten CSRD-pflichtigen Offenlegung nach ESRS E1. Da die eigenen Scope-1- und Scope-2-Emissionen aus Gebäuden und Fuhrpark gering sind, konzentriert sie sich auf die finanzierten Emissionen des Kreditportfolios. Für das Firmenkundengeschäft berechnet sie je Engagement den PCAF-Zurechnungsfaktor aus ausstehendem Kreditvolumen und Unternehmenswert, für das Hypothekenportfolio nutzt sie Energieausweise und Flächendaten. Wo verifizierte Emissionsdaten fehlen, greift sie auf branchenspezifische Emissionsfaktoren zurück und dokumentiert je Position den PCAF-Datenqualitäts-Score. Das Ergebnis bildet die Baseline für ein Science-Based Target und fließt geprüft in den Nachhaltigkeitsbericht ein.
Häufige Fragen
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