Zum Hauptinhalt springen
Nachhaltigkeit / ESG

Emissionsfaktor

Ein Emissionsfaktor ist ein Umrechnungswert, der Aktivitätsdaten wie Energieverbrauch oder gefahrene Kilometer in eine Menge an Treibhausgasemissionen (meist in CO2-Äquivalenten) überführt.

Der Emissionsfaktor ist die zentrale Rechengröße jeder Treibhausgasbilanz: Er beschreibt, wie viel Treibhausgas pro Einheit einer bestimmten Aktivität freigesetzt wird. Multipliziert man die Aktivitätsdaten (etwa Kilowattstunden Strom, Liter Diesel, gefahrene Kilometer oder eingekaufte Tonnen Material) mit dem zugehörigen Emissionsfaktor, ergibt sich die Emissionsmenge, die üblicherweise in Kilogramm oder Tonnen CO2-Äquivalent (CO2e) ausgedrückt wird. Damit verschiedene Treibhausgase vergleichbar werden, fließen ihre jeweiligen Treibhauspotenziale (Global Warming Potentials) bereits in den Faktor ein.

Emissionsfaktoren stammen aus anerkannten Datenbanken und Veröffentlichungen, etwa vom Umweltbundesamt, dem britischen DEFRA, der IEA, dem IPCC oder kommerziellen Datenbanken wie ecoinvent. Die Auswahl des passenden Faktors ist entscheidend für die Datenqualität: Faktoren unterscheiden sich nach Land, Bezugsjahr, Energieträger, Technologie und Systemgrenze. Insbesondere beim Strom ist zwischen einem standortbezogenen (location-based) und einem marktbezogenen (market-based) Faktor zu unterscheiden, wie es das GHG Protocol Scope 2 Guidance verlangt. Zudem ist offenzulegen, ob nur direkte Verbrennungsemissionen oder auch vorgelagerte Prozesse (Well-to-Tank) enthalten sind.

Im Kontext der CSRD-Berichterstattung verlangt der Standard ESRS E1, dass Unternehmen ihre Brutto-Treibhausgasemissionen nach Scope 1, 2 und 3 ausweisen und die zugrunde gelegten Methoden, Annahmen und Emissionsfaktoren transparent machen. Eine nachvollziehbare Dokumentation der Faktorenquellen, ihres Gültigkeitszeitraums und der Berechnungslogik ist Voraussetzung dafür, dass die Treibhausgasbilanz im Rahmen der Prüfung mit begrenzter Sicherheit (Limited Assurance) bestätigt werden kann. Falsche oder veraltete Emissionsfaktoren führen systematisch zu fehlerhaften Bilanzen und untergraben die Glaubwürdigkeit von Klimazielen.

Rechtliche Grundlage

ESRS E1 (Delegierte Verordnung (EU) 2023/2772); GHG Protocol Corporate Standard und Scope 2 Guidance

Praxisbeispiel

Eine Nachhaltigkeitsmanagerin erstellt die erste CSRD-konforme Treibhausgasbilanz für ihren Mittelständler. Für Scope 2 ermittelt sie den Stromverbrauch von 1,2 Mio. kWh und multipliziert ihn standortbezogen mit dem aktuellen Emissionsfaktor des deutschen Strommixes aus den UBA-Daten des Berichtsjahres. Parallel berechnet sie den marktbezogenen Wert über den vertraglich bezogenen Ökostromtarif mit einem Faktor von nahezu null. Beide Ergebnisse weist sie getrennt aus und dokumentiert Quelle, Bezugsjahr und Versionsstand jedes Faktors in einem Beleg, damit der Wirtschaftsprüfer die Berechnung im Rahmen der Limited Assurance vollständig nachvollziehen kann.

Häufige Fragen

Verlässliche Faktoren stammen aus anerkannten Quellen wie dem Umweltbundesamt (UBA), DEFRA, der IEA, dem IPCC oder Datenbanken wie ecoinvent. Achten Sie stets auf das passende Land, das aktuelle Bezugsjahr und die zur Aktivität passende Systemgrenze.
Der standortbezogene (location-based) Faktor bildet den durchschnittlichen Strommix eines Netzgebiets ab. Der marktbezogene (market-based) Faktor beruht auf vertraglichen Strombezugsinstrumenten wie Ökostromtarifen oder Herkunftsnachweisen. Das GHG Protocol verlangt für Scope 2 die Angabe beider Werte.
Faktoren spiegeln den jeweiligen Strommix, technische Entwicklungen und verbesserte Datengrundlagen wider und werden daher regelmäßig aktualisiert. Für eine konsistente Bilanz sollten Sie immer den Faktor des betreffenden Berichtsjahres verwenden und Versionswechsel dokumentieren.

So unterstützt preeco Sie

Erfahren Sie, wie unsere Software Sie bei diesem Thema unterstützt.

Mehr erfahren