Corporate Carbon Footprint (CCF)
Der Corporate Carbon Footprint ist die auf das gesamte Unternehmen bezogene Treibhausgasbilanz eines Geschäftsjahres, die direkte und indirekte Emissionen der Scopes 1, 2 und 3 in CO2-Äquivalenten ausweist.
Der Corporate Carbon Footprint (CCF), auf Deutsch betriebliche oder unternehmensbezogene Treibhausgasbilanz, quantifiziert sämtliche Treibhausgasemissionen, die einer Organisation innerhalb eines Berichtszeitraums – in der Regel eines Geschäftsjahres – zuzurechnen sind. Bezugsgröße ist damit das Unternehmen als Ganzes und nicht ein einzelnes Produkt. Methodisch stützt sich der CCF auf den Greenhouse Gas Protocol Corporate Accounting and Reporting Standard sowie auf die Norm ISO 14064-1; beide gliedern die Emissionen in Scope 1 (direkte Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen, etwa Heizkessel, Prozessanlagen und Fuhrpark), Scope 2 (indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie wie Strom, Wärme, Kälte und Dampf) und Scope 3 (alle übrigen indirekten Emissionen der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette).
Die Belastbarkeit eines CCF hängt weniger an der Rechenformel – Aktivitätsdaten multipliziert mit Emissionsfaktoren, umgerechnet in CO2-Äquivalente – als an sauber gesetzten Grenzen. Zu bestimmen sind die Organisationsgrenzen (Anteilsansatz oder Kontrollansatz nach finanzieller beziehungsweise operativer Kontrolle), die operativen Grenzen, also welche der fünfzehn Scope-3-Kategorien als wesentlich einbezogen werden, sowie ein konsistentes Basisjahr mit Regeln für dessen Anpassung bei Zukäufen, Verkäufen oder Methodenwechseln. Für Scope 2 verlangt das GHG Protocol zusätzlich die parallele Darstellung nach marktbasierter und standortbasierter Methode. Annahmen, Datenquellen und Unsicherheiten sind zu dokumentieren, damit die Bilanz einer externen Prüfung standhält.
Vom Product Carbon Footprint (PCF) unterscheidet sich der CCF in Bezugseinheit, Systemgrenze und Norm: Der PCF folgt ISO 14067 beziehungsweise dem GHG Protocol Product Standard, betrachtet die Emissionen einer funktionellen Einheit – etwa eines Bauteils oder einer Verpackung – über deren Lebensweg und arbeitet mit lebenszyklusbasierten Prozessdaten. Der CCF ist dagegen eine periodenbezogene Organisationsbilanz. Beide lassen sich nicht ineinander umrechnen, ergänzen sich aber: PCF-Daten aus der Lieferkette verbessern die Qualität der Scope-3-Kategorie „eingekaufte Güter und Dienstleistungen“, während der CCF die quantitative Grundlage der Klimaberichterstattung nach ESRS E1 im Rahmen der CSRD, für wissenschaftsbasierte Reduktionsziele und für den Transitionsplan bildet.
Rechtliche Grundlage
ESRS E1 (Delegierte Verordnung (EU) 2023/2772 zur Richtlinie (EU) 2022/2464 – CSRD); GHG Protocol Corporate Accounting and Reporting Standard; DIN EN ISO 14064-1; Abgrenzung zum PCF nach DIN EN ISO 14067
Praxisbeispiel
Ein Automobilzulieferer mit vier Werken erstellt seinen ersten CCF. Der Nachhaltigkeitsverantwortliche wählt den operativen Kontrollansatz, sodass ein Gemeinschaftsunternehmen ohne Betriebsführung außen vor bleibt, und legt 2024 als Basisjahr fest. Für Scope 1 zieht er Erdgas-, Heizöl- und Kraftstoffabrechnungen sowie die Nachfüllmengen der Kältemittel heran, für Scope 2 die Zählerdaten und Herkunftsnachweise der Stromlieferverträge, die er markt- und standortbasiert getrennt ausweist. In einem Screening der fünfzehn Scope-3-Kategorien erweisen sich eingekaufte Güter, Transporte und Pendelverkehr als wesentlich; für Stahl- und Aluminiumbauteile fordert er von den Hauptlieferanten produktbezogene PCF-Werte nach ISO 14067 an und ersetzt damit schrittweise die zunächst genutzten ausgabenbasierten Durchschnittsfaktoren. Annahmen und Datenquellen hält er je Kategorie fest, damit die Prüfgesellschaft die Angaben zu ESRS E1 nachvollziehen kann.
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