So läuft es heute in den meisten Unternehmen
Zuständigkeit bedeutet in den meisten Unternehmen: ein Name. Die Wiedervorlage für den Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Lohnabrechner steht bei Frau Becker aus der Personalabteilung. Die Aufgabe „Berechtigungskonzept Warenwirtschaft prüfen" steht bei Herrn Yilmaz aus dem IT-Betrieb. Die Auskunftsanfrage einer ehemaligen Bewerberin hat die Datenschutzkoordinatorin übernommen, weil sie gerade am Schreibtisch saß. Und das Risiko „Zugriff externer Dienstleister auf das Ticketsystem" hat eine Risikoeigentümerin, die es vor zwei Jahren eingetragen hat.
Das funktioniert, solange alle da sind. Im Alltag sind sie es nicht. Frau Becker ist drei Wochen im Urlaub, und die Erinnerung zum Vertrag landet in einem Postfach, das niemand liest. Herr Yilmaz ist krank, und die Aufgabe bleibt mit Fälligkeit „gestern" offen, obwohl zwei Kollegen sie in einer Stunde erledigen könnten. Niemand sieht sie, weil sie nicht bei ihnen steht.
Viele Unternehmen behelfen sich mit einem Funktionspostfach. Anfragen gehen an „datenschutz@", Benachrichtigungen ebenfalls, und vier Personen lesen mit. Das löst das Erreichbarkeitsproblem und schafft ein neues: Wer hat die Anfrage beantwortet? Wer hat entschieden, die Frist zu verlängern? Im Postfach steht nur, dass „datenschutz@" geantwortet hat. In der Dokumentation steht als Zuständige weiterhin die Person, die das Postfach eingerichtet hat.
Der dritte Behelf ist die Übergabeliste. Wenn jemand das Unternehmen verlässt, entsteht eine Datei wie „Übergabe_Becker_final.docx" mit allem, was diese Person verantwortet hat. Vollständig ist sie selten, denn niemand weiß aus dem Kopf, in welchen Wiedervorlagen, Löschregeln und Risikobewertungen der eigene Name steht.
In der Informationssicherheit sieht es nicht anders aus. Die Maßnahme „Patchmanagement für Server dokumentieren" ist einem Administrator zugewiesen, der Rest des IT-Betriebs erfährt davon erst in der Teambesprechung. Wer im Kalender nachsieht, findet eine Serienerinnerung im Postfach des Vorgängers, die seit seinem Wechsel in die Entwicklung ins Leere läuft. Jeder einzelne dieser Behelfe ist vernünftig. Zusammen ergeben sie eine Dokumentation, die Namen kennt, aber keine Teams.
Der Moment, in dem es auffällt
Auffällig wird das fast immer bei einem Personalwechsel. Die Datenschutzkoordinatorin kündigt, ihr Konto wird deaktiviert, und plötzlich fehlen an Dutzenden Stellen Zuständige. Oder es fällt im Audit auf: Die Prüferin fragt, wer die offene Maßnahme aus dem letzten Bericht verantwortet, und die Antwort lautet „die Kollegin, die nicht mehr bei uns ist".
In beiden Fällen war die Arbeit nie an eine Person gebunden. Gebunden war nur der Eintrag. Die Aufgabe gehörte von Anfang an einem Team, das in der Dokumentation nicht vorkam. Genau dieses Team fehlt in den meisten Werkzeugen als Zuständiger.
Die Analyse
Fünf Probleme personengebundener Zuständigkeiten
Sie entstehen nicht aus Nachlässigkeit. Sie entstehen, weil ein Werkzeug nur einen Namen kennt, wo im Unternehmen ein Team zuständig ist.
Aufgabenmanagement in preeco ansehenAbwesenheit stoppt Fristen nicht
Die Monatsfrist für eine Auskunft nach Art. 12 Abs. 3 DSGVO läuft auch im Urlaub der zuständigen Person weiter. Steht die Anfrage nur bei ihr, bemerkt niemand im Team, dass sie offen ist.
Personalwechsel hinterlässt verwaiste Einträge
Verlässt jemand das Unternehmen, bleiben Aufgaben, Wiedervorlagen und Risiken ohne erreichbare Zuständige zurück. Welche das sind, zeigt erst eine mühsame Suche durch alle Module.
Das Funktionspostfach hat kein Gedächtnis
Ein gemeinsames Postfach macht ein Team erreichbar, aber nicht nachvollziehbar. Wer eine Anfrage beantwortet oder eine Frist verlängert hat, lässt sich im Nachhinein nicht mehr belegen.
Die Dokumentation zeigt den falschen Zuständigen
Weil das Feld nur eine Person kennt, wird die Person eingetragen, die gerade greifbar war. Im Audit stimmt die eingetragene Verantwortung dann nicht mit der tatsächlichen überein.
Übergaben sind Handarbeit
Jede Kündigung und jeder Rollenwechsel erzeugt eine Übergabeliste, die jemand von Hand abarbeitet. Was auf der Liste fehlt, fällt erst auf, wenn eine Frist verstrichen ist.
Der Soll-Prozess in sechs Schritten
Ein tragfähiges Zuständigkeitsmodell trennt zwei Fragen, die heute in einem Namen zusammenfallen: Welches Team ist für ein Thema zuständig, und wer gehört gerade zu diesem Team? Diese sechs Schritte beschreiben den Ablauf, unabhängig vom Werkzeug.
1. Zuständigkeiten nach Funktion schneiden. Ausgangspunkt ist nicht die Personalliste, sondern die Frage, welche Funktionen im Datenschutz und in der Informationssicherheit tatsächlich arbeiten: etwa ein Datenschutzteam, der IT-Betrieb, die Personalabteilung und die Informationssicherheit. Jede Funktion wird eine Gruppe.
2. Gruppen anlegen und Mitglieder pflegen. Jede Gruppe bekommt einen Namen, eine kurze Beschreibung und ihre Mitglieder. In preeco | datenschutz und preeco | informationssicherheit, die sich eine Plattform teilen, legt die Administration diese Zuständigkeitsgruppen unter Einstellungen → Benutzer und Rechte an. Bei mehreren Gesellschaften bekommt jede Gruppe zusätzlich ihre Zugehörigkeit zu Organisationen.
3. Gruppen dort zuweisen, wo ein Team zuständig ist. Im Feld „Zugewiesen an" stehen die Zuständigkeitsgruppen neben den einzelnen Benutzern, und beides lässt sich kombinieren: die Gruppe „Personalabteilung" plus die Datenschutzkoordinatorin. Das gilt für Aufgaben ebenso wie für Wiedervorlagen, Anfragen, Löschregeln, Risiken, Anforderungen im ISMS und Zuständigkeiten in Geschäftsprozessen.
4. Alle Mitglieder informieren. Wird eine Gruppe eingetragen, erhält jedes Mitglied die Benachrichtigung per E-Mail, und die Gruppenaufgaben erscheinen im Dashboard unter „Meine Aufgaben". Wer zuerst Zeit hat, übernimmt. Wer im Urlaub ist, fehlt nicht mehr als einziger Empfänger.
5. Nachvollziehbar arbeiten. Die Gruppe ersetzt kein Protokoll. Am Dokument halten die Aktivitäten fest, wer eine Aufgabe oder Anfrage tatsächlich bearbeitet hat. Damit bleibt der Nachweis, den ein Funktionspostfach nicht liefern kann.
6. Ein- und Austritte über die Mitgliedschaft regeln. Wer neu ins Team kommt, wird Mitglied und ist ab sofort für alle Einträge der Gruppe zuständig. Wer deaktiviert wird oder den Zugriff verliert, verlässt automatisch alle Zuständigkeitsgruppen. Und wird eine Gruppe selbst aufgelöst, verlangt das System einen Nachfolger, an den alle ihre Zuweisungen übergehen.
Wann eine Person die bessere Wahl bleibt
Gruppen sind kein Ersatz für persönliche Verantwortung. Eine Risikoeigentümerin, die eine Behandlungsentscheidung trifft, oder ein Datenschutzbeauftragter, der eine Stellungnahme abgibt, sollte namentlich eingetragen bleiben. Gruppen gehören dorthin, wo die Arbeit verteilt ist: wiederkehrende Prüfungen, eingehende Anfragen, Wiedervorlagen für Verträge und Löschfristen.
Bewährt hat sich die Kombination aus beidem. Die Gruppe sorgt dafür, dass ein Eintrag nie verwaist, die zusätzlich eingetragene Person dafür, dass im Audit eine konkrete Ansprechperson genannt werden kann.
Vorher und nachher im direkten Vergleich
| Kriterium | Vorher: Einzelperson und Funktionspostfach | Nachher: Zuständigkeitsgruppen |
|---|---|---|
| Erreichbarkeit | Eine Person, ein Postfach, eine Abwesenheitsnotiz | Jedes Mitglied erhält die Benachrichtigung |
| Fristen | Laufen während Urlaub und Krankheit unbemerkt ab | Gruppenaufgaben stehen bei allen unter „Meine Aufgaben" |
| Personalwechsel | Übergabeliste von Hand, selten vollständig | Ausscheidende verlassen automatisch alle Gruppen |
| Nachweisfähigkeit | „datenschutz@" hat geantwortet, mehr ist nicht belegt | Aktivitäten am Dokument zeigen, wer bearbeitet hat |
| Richtigkeit der Dokumentation | Eingetragen ist, wer gerade greifbar war | Eingetragen ist das Team, das tatsächlich zuständig ist |
| Pflegeaufwand | Jede Neubesetzung ändert Dutzende Einträge | Eine Änderung der Mitgliedschaft wirkt überall |
| Auflösen einer Zuständigkeit | Einträge bleiben ohne Zuständige zurück | Löschen nur mit Nachfolger, der alle Zuweisungen übernimmt |
| Ausfallrisiko | Wissen und Zugriff liegen bei einer Person | Zuständigkeit liegt beim Team, Historie im System |
In der Praxis
So sieht das in preeco | datenschutz aus
Die drei Bausteine, die den beschriebenen Prozess tragen.
Zuständigkeitsgruppen
Die Administration fasst Benutzer unter einem Namen wie „Datenschutzteam" oder „IT-Betrieb" zusammen, mit Beschreibung und Zugehörigkeit zu Organisationen. Wer das Team verlässt, verlässt auch alle Gruppen.
Aufgaben und Wiedervorlagen
Im Feld „Zugewiesen an" lassen sich mehrere Benutzer und Zuständigkeitsgruppen kombinieren. Jedes Mitglied wird benachrichtigt und sieht die Aufgabe im Dashboard unter „Meine Aufgaben".
Anfragen und Löschregeln
Auch Betroffenenanfragen und Löschregeln lassen sich einer Gruppe zuweisen. So bleibt die Monatsfrist im Blick des ganzen Teams, und eine Löschfrist hängt nicht an einem einzelnen Postfach.
Was der Umstieg praktisch bedeutet
Der Umstieg ist weniger eine technische als eine organisatorische Aufgabe. Die Gruppen sind in wenigen Minuten angelegt. Die eigentliche Arbeit liegt in der Klärung, welche Funktion für welches Thema zuständig ist, und in der Entscheidung, welche bestehenden Einträge von einer Person auf eine Gruppe wechseln.
Ein praktikabler Weg: Beginnen Sie mit den Einträgen, die bei Abwesenheit am meisten schaden, also eingehenden Anfragen, Wiedervorlagen für Verträge und wiederkehrenden Prüfaufgaben. Bestehende Einträge stellen Sie bei der nächsten Bearbeitung um, statt alles an einem Tag umzubauen.
Sprechen Sie die Gruppen außerdem mit den Abteilungsleitungen ab. Wer Mitglied wird, erhält künftig Benachrichtigungen zu Aufgaben, die er vorher nicht gesehen hat, und sollte wissen, warum.
Drei Fehler, die den Umstieg unnötig schwer machen
Eine Gruppe für alle anlegen. Eine Gruppe „Alle Mitarbeitenden" benachrichtigt jeden und macht niemanden zuständig. Gruppen funktionieren, wenn sie klein genug sind, dass sich die Mitglieder untereinander abstimmen.
Gruppen ohne Vertretung planen. Eine Gruppe mit einem einzigen Mitglied ist eine Person mit anderem Namen. Verlässt das letzte Mitglied die Gruppe, wird sie aufgelöst und ihre Zuweisungen bleiben leer. Planen Sie mindestens zwei Mitglieder je Gruppe.
Die persönliche Verantwortung abschaffen. Wo eine Entscheidung getroffen und unterschrieben wird, gehört weiterhin ein Name hin. Die Gruppe ergänzt die Person, sie ersetzt sie nicht.
Woran Sie erkennen, dass es Zeit ist
Personengebundene Zuständigkeiten sind in kleinen Teams kein Problem. Zum Risiko werden sie, wenn einer dieser Punkte zutrifft:
- Fristen sind schon einmal während eines Urlaubs abgelaufen.
- Anfragen kommen über ein Funktionspostfach, das mehrere Personen lesen.
- Beim letzten Personalwechsel gab es eine Übergabeliste.
- Sie können nicht auf Anhieb sagen, wo der Name einer ausgeschiedenen Person noch eingetragen ist.
- Datenschutz und Informationssicherheit teilen sich Aufgaben zwischen mehreren Abteilungen.
Trifft davon zwei oder mehr zu, hängt Ihre Dokumentation an Personen, die Arbeit aber an Teams.
FAQ
Häufige Fragen zu Zuständigkeitsgruppen
Jedes Mitglied der Zuständigkeitsgruppe erhält dieselbe E-Mail wie bei einer persönlichen Zuweisung. Zusätzlich erscheinen Aufgaben einer Gruppe bei allen Mitgliedern im Dashboard unter „Meine Aufgaben".
Wird ein Benutzer deaktiviert, verliert er den Zugriff auf das Team oder löscht er sein Konto, verlässt er automatisch alle Zuständigkeitsgruppen. Die Einträge der Gruppe bleiben bei den übrigen Mitgliedern. Persönliche Zuweisungen übergeben Sie beim Entfernen des Zugriffs an einen Nachfolger, der auch eine Zuständigkeitsgruppe sein kann.
Ja. Im Feld „Zugewiesen an" lassen sich mehrere Benutzer und Zuständigkeitsgruppen kombinieren. Bewährt hat sich die Gruppe als Absicherung und eine zusätzlich eingetragene Person als konkrete Ansprechperson.
Nein. Ist die Gruppe irgendwo eingetragen, verlangt der Löschdialog einen Nachfolger, also einen Benutzer oder eine andere Zuständigkeitsgruppe. Alle Zuweisungen gehen auf ihn über. Die Mitglieder bleiben Benutzer des Teams, nur ihre Mitgliedschaft in der Gruppe endet.
Anlegen, bearbeiten und löschen können ausschließlich Administratoren. Wer einen Eintrag bearbeitet, findet die Gruppen im Auswahlfeld neben den einzelnen Benutzern und kann sie zuweisen. Damit bleibt die Zusammensetzung der Teams zentral gesteuert, die Zuweisung im Alltag aber bei den Fachbereichen.
Ihr Zuständigkeitsmodell gemeinsam durchgehen
Bringen Sie Ihre Rollen- oder Übergabeliste mit. In 30 Minuten zeigen wir, welche Zuständigkeiten sich als Gruppe abbilden lassen.