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Informationssicherheit / NIS2

Public-Key-Infrastruktur

Eine Public-Key-Infrastruktur (PKI) ist das organisatorische und technische System zur Erzeugung, Verteilung, Verwaltung und Rückruf digitaler Zertifikate und kryptografischer Schlüssel auf Basis von Vertrauensketten.

Eine Public-Key-Infrastruktur (PKI) bündelt die Prozesse, Rollen, Richtlinien und technischen Komponenten, mit denen digitale Zertifikate über ihren gesamten Lebenszyklus verwaltet werden. Kern ist die asymmetrische Kryptografie: Jedem Schlüsselpaar wird ein öffentlicher und ein privater Schlüssel zugeordnet, wobei eine vertrauenswürdige Zertifizierungsstelle (Certification Authority, CA) den öffentlichen Schlüssel über ein signiertes X.509-Zertifikat verbindlich einer Identität zuordnet. Eine PKI ermöglicht damit Authentizität, Integrität, Vertraulichkeit und Nichtabstreitbarkeit für Kommunikation, Signaturen und Verschlüsselung.

Das Vertrauensmodell beruht auf hierarchischen Vertrauensketten: Eine Root-CA bildet den Vertrauensanker und signiert nachgeordnete Zwischenzertifizierungsstellen (Sub-CAs), die wiederum die Endteilnehmerzertifikate ausstellen. Zentrale Bestandteile sind die Registrierungsstelle (Registration Authority, RA) zur Identitätsprüfung, ein Verzeichnisdienst zur Bereitstellung von Zertifikaten sowie Mechanismen zum Rückruf wie Sperrlisten (Certificate Revocation List, CRL) und das Online Certificate Status Protocol (OCSP). Verbindlich geregelt werden die Abläufe in einer Certificate Policy (CP) und einem Certification Practice Statement (CPS).

Im Kontext der Informationssicherheit ist eine PKI ein zentrales Werkzeug zur Umsetzung von Schutzzielen und Zugriffskontrolle. Sie ist Grundlage für TLS-gesicherte Verbindungen, qualifizierte elektronische Signaturen nach der eIDAS-Verordnung, S/MIME-E-Mail-Verschlüsselung sowie zertifikatsbasierte Authentisierung in Zero-Trust-Architekturen. Der BSI IT-Grundschutz und die ISO/IEC 27001 fordern ein geregeltes Schlüsselmanagement; eine PKI operationalisiert diese Anforderung. Kritisch ist der Schutz der privaten Schlüssel, der oft über Hardware-Sicherheitsmodule (HSM) erfolgt, sowie ein durchgängiges Lebenszyklusmanagement von Ausstellung bis Sperrung.

Rechtliche Grundlage

Verordnung (EU) Nr. 910/2014 (eIDAS); ISO/IEC 27001 Anhang A; BSI IT-Grundschutz Baustein CON.1 (Kryptokonzept)

Praxisbeispiel

Ein Informationssicherheitsbeauftragter eines mittelständischen Maschinenbauers führt eine interne PKI ein, um die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation und den Fernzugriff der Servicetechniker abzusichern. Er definiert in der Certificate Policy, dass private Schlüssel der Root-CA ausschließlich offline in einem HSM gehalten werden, dass Gerätezertifikate eine Laufzeit von maximal einem Jahr haben und über OCSP geprüft werden. Als ein Notebook eines Technikers gestohlen wird, sperrt er das zugehörige Zertifikat sofort über die Sperrliste, sodass der Zugang trotz gültiger Anmeldedaten unmittelbar unbrauchbar wird.

Häufige Fragen

Ein Zertifikat ist ein einzelner signierter Datensatz, der einen öffentlichen Schlüssel einer Identität zuordnet. Die PKI ist das übergeordnete System aus Zertifizierungsstellen, Registrierungsstellen, Richtlinien und Sperrmechanismen, das solche Zertifikate über ihren gesamten Lebenszyklus ausstellt, verteilt, prüft und zurückruft.
Der Rückruf erfolgt über Sperrlisten (CRL) oder über das Online Certificate Status Protocol (OCSP). Sobald ein Zertifikat kompromittiert ist oder eine Identität wegfällt, wird es als gesperrt markiert, sodass prüfende Systeme es trotz noch gültigem Ablaufdatum ablehnen.
Beide Standards verlangen kein bestimmtes Produkt, aber ein geregeltes Schlüsselmanagement und den angemessenen Einsatz von Kryptografie. Eine PKI ist die übliche und bewährte Methode, um diese Anforderungen an Schlüsselverwaltung, Vertrauensketten und Zugriffskontrolle umzusetzen.

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