Sicherheitskonzept
Ein Sicherheitskonzept ist die dokumentierte Gesamtdarstellung aller technischen und organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen einer Organisation, mit der Schutzbedarf, Risiken und die daraus abgeleiteten Maßnahmen nachvollziehbar und prüfbar festgehalten werden.
Ein Sicherheitskonzept ist das zentrale Steuerungsdokument der Informationssicherheit. Es beschreibt zusammenhängend, welche Informationen, Systeme und Prozesse eine Organisation schützt, welcher Schutzbedarf für Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit besteht und mit welchen technischen und organisatorischen Maßnahmen (TOM) die identifizierten Risiken behandelt werden. Damit überführt es abstrakte Sicherheitsziele in konkrete, nachvollziehbare und prüfbare Festlegungen und bildet die Grundlage für Audits, Zertifizierungen und behördliche Nachweise.Inhaltlich umfasst ein vollständiges Sicherheitskonzept typischerweise die Beschreibung des Geltungsbereichs (Scope), die Strukturanalyse der Informationsverbünde, die Schutzbedarfsfeststellung, eine Risikoanalyse mit Risikobewertung sowie den Maßnahmenkatalog mit Verantwortlichkeiten, Umsetzungsstand und Wirksamkeitskontrolle. In der Praxis stützt es sich auf etablierte Rahmenwerke wie den BSI IT-Grundschutz, die ISO/IEC 27001 oder CISIS12 und ist eng mit dem Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS), den Sicherheitsrichtlinien und dem Notfall- bzw. Business-Continuity-Management verzahnt.Rechtlich und regulatorisch gewinnt das Sicherheitskonzept zunehmend an Bedeutung: Die NIS2-Richtlinie und ihre nationale Umsetzung verlangen von besonders wichtigen und wichtigen Einrichtungen geeignete, dokumentierte Risikomanagementmaßnahmen, die Geschäftsleitung haftet für deren Umsetzung. Auch DORA, branchenspezifische Vorgaben sowie die Anforderungen von TISAX und Zertifizierungsstellen setzen ein gepflegtes, regelmäßig aktualisiertes Sicherheitskonzept voraus. Es ist kein statisches Dokument, sondern muss bei wesentlichen Änderungen der IT-Landschaft, der Bedrohungslage oder der Rechtslage fortgeschrieben werden.
Rechtliche Grundlage
NIS2-Richtlinie (EU) 2022/2555, Art. 21; BSI-Gesetz; BSI IT-Grundschutz; ISO/IEC 27001
Praxisbeispiel
Ein mittelständischer Maschinenbauer fällt durch seinen Jahresumsatz und seine Branchenzugehörigkeit neu unter die NIS2-Pflichten. Der Informationssicherheitsbeauftragte erstellt ein Sicherheitskonzept nach BSI IT-Grundschutz: Er grenzt den Informationsverbund ab, führt eine Schutzbedarfsfeststellung für die Produktions- und ERP-Systeme durch und leitet aus der Risikoanalyse Maßnahmen wie Netzwerksegmentierung, Multi-Faktor-Authentifizierung und ein Patch-Management ab. Das Konzept wird der Geschäftsleitung zur Freigabe vorgelegt, dokumentiert den Umsetzungsstand jeder Maßnahme und dient bei der nächsten TISAX-Bewertung als zentraler Nachweis.
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