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Informationssicherheit / NIS2

Informationssicherheitsbeauftragter

Der Informationssicherheitsbeauftragte (ISB) ist die zentrale Rolle, die das Informationssicherheits-Managementsystem einer Organisation steuert, koordiniert und gegenüber der Leitung verantwortet.

Der Informationssicherheitsbeauftragte (ISB), häufig auch als Chief Information Security Officer (CISO) bezeichnet, ist die organisatorisch verankerte Rolle, die für die Planung, Steuerung und Überwachung des Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS) einer Organisation verantwortlich ist. Er berät die Geschäftsleitung in allen Fragen der Informationssicherheit, koordiniert die Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen und stellt sicher, dass Schutzziele wie Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Informationen angemessen gewahrt werden. Der ISB nimmt damit eine Schnittstellenfunktion zwischen Leitungsebene, Fachabteilungen und IT-Betrieb ein.

Zu den Kernaufgaben des ISB zählen die Entwicklung und Fortschreibung der Sicherheitsrichtlinien und der Sicherheitsleitlinie, die Steuerung des Risikomanagementprozesses einschließlich Schutzbedarfsfeststellung und Risikobehandlung, die Koordination des Incident-Response- und Notfallmanagements sowie die Förderung der Security Awareness im Unternehmen. Er überwacht die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen, berichtet regelmäßig an die Leitung und wirkt bei internen wie externen Audits mit. Anerkannte Rahmenwerke wie der BSI IT-Grundschutz und die ISO/IEC 27001 sehen die Benennung eines ISB ausdrücklich vor und beschreiben dessen Aufgabenprofil.

Mit der NIS2-Richtlinie und ihrer nationalen Umsetzung gewinnt die Rolle weiter an Bedeutung, auch wenn das Gesetz die Funktion nicht zwingend mit dem Titel "ISB" verknüpft. Maßgeblich ist, dass die Geschäftsleitung besonders wichtiger und wichtiger Einrichtungen die Verantwortung für das Risikomanagement trägt und nicht vollständig delegieren kann; der ISB unterstützt sie bei der Erfüllung dieser Geschäftsleitungspflichten. Wichtig ist die Unabhängigkeit der Rolle: Der ISB sollte direkt an die oberste Leitung berichten und darf nicht in Interessenkonflikte geraten, etwa durch eine gleichzeitige operative Verantwortung für den IT-Betrieb, deren Sicherheit er bewerten soll.

Rechtliche Grundlage

BSI IT-Grundschutz (BSI-Standard 200-2); ISO/IEC 27001; NIS2-Richtlinie (EU) 2022/2555 i. V. m. dem nationalen Umsetzungsgesetz

Praxisbeispiel

Ein mittelständischer Anlagenbauer fällt unter die NIS2-Pflichten und benennt erstmals einen Informationssicherheitsbeauftragten. Dieser erstellt zunächst eine Schutzbedarfsfeststellung für die wichtigsten Geschäftsprozesse, leitet daraus mit den Fachabteilungen konkrete Maßnahmen ab und führt eine verbindliche Sicherheitsrichtlinie ein. Er etabliert einen Incident-Response-Prozess inklusive Meldewege, schult die Belegschaft im Erkennen von Phishing und legt der Geschäftsleitung quartalsweise einen Sicherheitsbericht mit offenen Risiken und Maßnahmenstatus vor.

Häufige Fragen

Eine ausdrückliche gesetzliche Pflicht zur Benennung eines ISB unter genau diesem Titel besteht nur in bestimmten Bereichen, etwa bei KRITIS-Betreibern. Unter der NIS2-Richtlinie verbleibt die Verantwortung bei der Geschäftsleitung, in der Praxis ist die Benennung eines ISB jedoch der etablierte Weg, um diese Pflichten wirksam zu erfüllen. Auch BSI IT-Grundschutz und ISO/IEC 27001 setzen eine solche Rolle voraus.
Der Informationssicherheitsbeauftragte verantwortet den Schutz aller Informationswerte hinsichtlich Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. Der Datenschutzbeauftragte überwacht hingegen die Einhaltung der DSGVO und schützt speziell personenbezogene Daten. Die Rollen ergänzen sich, sollten aber wegen unterschiedlicher Aufgaben und möglicher Interessenkonflikte getrennt besetzt werden.
Ja. Der ISB sollte direkt an die oberste Leitung berichten und nicht zugleich für den operativen IT-Betrieb verantwortlich sein. Andernfalls würde er die Sicherheit von Systemen bewerten, die er selbst betreibt, was zu Interessenkonflikten führt. Eine organisatorische Unabhängigkeit sichert die Objektivität seiner Bewertungen und Empfehlungen.

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