Zum Hauptinhalt springen
Informationssicherheit / NIS2

BSI-Standards 200-1 bis 200-4

Die BSI-Standards 200-1 bis 200-4 sind die methodischen Leitdokumente des IT-Grundschutzes: Sie beschreiben den Aufbau eines ISMS (200-1), die Vorgehensweise nach IT-Grundschutz (200-2), die Risikoanalyse (200-3) und das Business Continuity Management (200-4).

Der IT-Grundschutz des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) besteht aus zwei Bausteinen: den BSI-Standards der 200er-Reihe, die das methodische Gerüst liefern, und dem jährlich fortgeschriebenen IT-Grundschutz-Kompendium, das die konkreten Anforderungen und Umsetzungshinweise je Baustein enthält. BSI-Standard 200-1 definiert die allgemeinen Anforderungen an ein Managementsystem für Informationssicherheit (ISMS) und ist bewusst kompatibel zu ISO/IEC 27001 aufgebaut: Verantwortung der Leitung, Sicherheitsleitlinie, Rollen wie der oder die Informationssicherheitsbeauftragte, Ressourcen, Dokumentation und ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess nach dem PDCA-Zyklus. Wer nach 200-1 arbeitet, baut kein deutsches Sondersystem auf, sondern eine ISMS-Struktur, die sich mit international anerkannten Normen deckt und zugleich stärker vorstrukturiert ist.

BSI-Standard 200-2 beschreibt die eigentliche IT-Grundschutz-Methodik und bietet drei Vorgehensweisen an: die Basis-Absicherung als schneller Einstieg mit breiter Grundabsicherung, die Kern-Absicherung zum Schutz besonders kritischer Werte und die Standard-Absicherung als vollständige, zertifizierungsfähige Vorgehensweise. Der Ablauf ist stets derselbe: Festlegung des Informationsverbunds, Strukturanalyse, Schutzbedarfsfeststellung in den Schutzzielen Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit, Modellierung mit den Bausteinen des Kompendiums, IT-Grundschutz-Check als Soll-Ist-Vergleich und schließlich Planung und Umsetzung der fehlenden Maßnahmen. BSI-Standard 200-3 setzt dort an, wo die Standardanforderungen nicht ausreichen: Für Zielobjekte mit hohem oder sehr hohem Schutzbedarf, für Sonderfälle ohne passenden Baustein und für untypische Einsatzszenarien wird eine Risikoanalyse auf Basis der elementaren Gefährdungen durchgeführt, bewertet und in eine Risikobehandlung überführt – vermeiden, reduzieren, transferieren oder als Restrisiko durch die Leitung akzeptieren.

BSI-Standard 200-4 löste den früheren Standard 100-4 ab und beschreibt den Aufbau eines Business Continuity Management Systems (BCMS). Er ist stufenweise angelegt: Das Reaktiv-BCMS schafft eine schnelle Grundfähigkeit zur Notfallbewältigung, das Aufbau-BCMS erweitert sie um Business Impact Analyse und Geschäftsfortführungspläne, das Standard-BCMS entspricht dem vollen Anspruch vergleichbar zu ISO 22301. Für Unternehmen ist diese Reihe aus zwei Gründen relevant: Erstens lässt sich auf Basis von IT-Grundschutz eine ISO-27001-Zertifizierung erlangen, zweitens akzeptieren Auftraggeber und Aufsichtsbehörden den IT-Grundschutz als anerkannten Stand der Technik. Auch für die Risikomanagement- und Business-Continuity-Pflichten aus dem BSIG in seiner durch das NIS2-Umsetzungsgesetz geprägten Fassung liefert die 200er-Reihe eine belastbare, prüffähige Umsetzungsstruktur; die genauen Umsetzungs- und Nachweisfristen sind im nationalen Recht weiterhin in Bewegung und sollten im Einzelfall geprüft werden.

Rechtliche Grundlage

BSI-Standards 200-1, 200-2, 200-3 und 200-4 i. V. m. dem IT-Grundschutz-Kompendium des BSI; BSI-Gesetz (BSIG); ISO/IEC 27001 (Zertifizierung auf Basis von IT-Grundschutz); ISO 22301 (Bezug für BSI-Standard 200-4)

Praxisbeispiel

Ein mittelständischer Automobilzulieferer mit 400 Beschäftigten wird von einem Großkunden zu einem nachweisbaren ISMS verpflichtet. Der Informationssicherheitsbeauftragte entscheidet sich für den IT-Grundschutz: Nach BSI-Standard 200-1 werden Leitlinie, Rollen und Berichtswege an die Geschäftsleitung festgelegt. Weil die Zeit für eine vollständige Standard-Absicherung fehlt, startet das Team nach 200-2 mit der Kern-Absicherung und grenzt den Informationsverbund auf Konstruktionsdaten, PLM-System und Fertigungssteuerung ein; Strukturanalyse, Schutzbedarfsfeststellung und IT-Grundschutz-Check decken 62 offene Anforderungen auf. Für die Fertigungssteuerung mit sehr hohem Verfügbarkeitsbedarf folgt eine Risikoanalyse nach 200-3, die zu redundanten Leitungen und einem gehärteten Fernwartungszugang führt; das verbleibende Restrisiko akzeptiert die Geschäftsführung dokumentiert. Parallel baut das Unternehmen nach 200-4 ein Reaktiv-BCMS mit Alarmierungsplan und Wiederanlaufreihenfolge auf und erweitert es im Folgejahr um eine Business Impact Analyse – nach 18 Monaten ist der Informationsverbund für eine ISO-27001-Zertifizierung auf Basis von IT-Grundschutz vorbereitet.

Häufige Fragen

200-1 beschreibt die allgemeinen Anforderungen an ein ISMS und ist an ISO/IEC 27001 angelehnt. 200-2 liefert die konkrete IT-Grundschutz-Methodik mit Basis-, Kern- und Standard-Absicherung. 200-3 regelt die ergänzende Risikoanalyse für Zielobjekte mit hohem Schutzbedarf oder ohne passenden Baustein. 200-4 beschreibt den stufenweisen Aufbau eines Business Continuity Management Systems.
Nein, er ist ein Weg dorthin. Auf Basis von IT-Grundschutz kann ein ISO-27001-Zertifikat erlangt werden, das die Umsetzung der Bausteine des IT-Grundschutz-Kompendiums durch einen beim BSI zertifizierten Auditor bestätigt. Der Unterschied liegt in der Tiefe: Der IT-Grundschutz gibt konkrete Anforderungen vor, während ISO/IEC 27001 die Maßnahmenauswahl weitgehend der risikobasierten Entscheidung der Organisation überlässt.
Für Organisationen ohne etabliertes ISMS, die schnell ein flächendeckendes Grundniveau erreichen wollen. Die Basis-Absicherung setzt zunächst nur die Basis-Anforderungen der Bausteine um und verzichtet auf eine vollständige Schutzbedarfsfeststellung. Sie ist nicht zertifizierungsfähig, aber ein belastbarer erster Schritt, der später in die Kern- oder Standard-Absicherung überführt werden kann.

So unterstützt preeco Sie

Erfahren Sie, wie unsere Software Sie bei diesem Thema unterstützt.

Mehr erfahren